Ende Januar bekamen Iselin und ich Besuch aus Tansania – eine Freiwillige, die dort ihr Jahr verbringt, nutzte die Zeit vor dem Zwischenseminar, um sich Kampala und Umgebung anzusehen.
am Bahai Tempel
Am Montag den 19. Januar brachen wir drei dann gemeinsam zum IN VIA Freiwilligen Zwischenseminar in Entebbe auf. Die Woche wurde dazu genutzt, viele Fragen aufzuarbeiten, die sich in den vergangenen 6 Monaten ergeben hatten, sich auszutauschen, den einen oder anderen Zweifel auszuräumen und mit neuem In-Put in die zweite Jahreshälfte zu starten.
Botanischer Garten in Entebbe am Viktoria See
Die fünf Tansania Freiwilligen flogen dann am Sonntag Morgen zurück und Iselin und ich folgten ihnen am Abend auf dem Landweg. 19.00 pünktliche Abfahrt in Kampala (esay coach – nur zu empfehlen!), 5 Stunden bis zur kenianischen Grenze, Ausreisen, Einreisen, 20US$ für ein Durchreisevisum und dann noch einmal 9 Stunden bis nach Nairobi. Dort haben wir zunächst Geld abgehoben (die Wechselkurse machen mich als Freundin der Mathematik ja vollkommen kirre: 1€ = 3500UGX = 85KSH = 2000TSH) und sind danach Frühstücken gegangen. So gestärkt haben wir uns dann auf die Suche nach Grenztaxis gemacht und sind für umgerechnet 6€ in einem Matatu 6 Stunden bis Tarakea gefahren.
1021
Dort erneutes Ausreisen, Einreisen – verrückt: drei Länder in nicht einmal 24 Stunden.. Erneut zwei Stunden Taxifahrt und dann endlich, endlich: Hallo Himo! Das ist ein kleines Städtchen am Fuße des Kilimandscharo, für 12 Monate die Heimat unserer tansanischen Mitfreiwilligen und unser Reiseziel. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung – dabei war der Abschied gerade einmal anderthalb Tage her – bin ich nur noch ins Bett gefallen. Dienstag sind wir dann mit in das Krankenhaus Projekt gegangen. Das ist eher eine kleine Klinik aber mit einem sehr engagierten Leiter und der mehrstöckige Neubau steht schon dahinter und wartet auf eine Inbetriebnahme innerhalb der nächsten Monate. Ein Besuch der nahegelegenen Wasserfälle am nächsten Tag wurde durch einen dubiosen Verfolger vereitelt. Da die Sicherheit vor geht sind wir also unverrichteter, unbesichtigter Dinge, wieder nach Himo zurück gefahren, waren dann dort stattdessen Stoff kaufen und beim ortsansässigen Schneider (beides viel viel günstiger als in Uganda). Donnerstag haben wir uns Moshi angesehen (dürfte Kilimandscharo-begeisterten etwas sagen – dort starten viele Besteigungen), was mir sehr gefallen hat. Es ist eine große Stadt mit genügend Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Cafés.. aber es ist trotzdem übersichtlich, nicht so überfüllt – so eine Stadt hätte ich hier auch gern als Alternative zu Kampala in der Nähe.
Freitag ging es dann für uns in die Projekte „Schule“ und „Konvent“. Da ist es sehr, sehr schön. Die Schule ist wirklich hübsch und uns sind alle sehr freundlich begegnet. Trotzdem ist auch dieses Projekt natürlich nicht so, dass die Freiwilligen 100% zufrieden und glücklich sind, denn auch hier stoßen Ansichten verschiedener Kulturkreise aufeinander, man muss sich mit Themen wie der Prügelstrafe, extremer Religiosität oder der grundsätzlichen Einstellung gegenüber Veränderung und Neuem auseinandersetzen.
in der „Holy Childhood Primary School“ - Morgenappell
Sportunterricht – Speerweitwurf
Im Konvent wurden wir dann erst einmal gefüttert: Frühstück, Obst und Mittagessen und Desi hat uns herumgeführt. Sie arbeitet dort vor allem in der Schneiderei (Schuluniformen), aber auch in der Baumschule, in der Küche oder in anderen Bereichen, wo es etwas für sie zu tun gibt. Der Besuch im Konvent war ein bisschen wie Urlaub im Urlaub – es ist dort grün, ruhig, man kann saubere Luft atmen und es ist einfach sehr hübsch.
Anschließend wollten Iselin und ich einen zweiten Versuch starten, uns die Wasserfälle anzusehen und eine der Schwestern war so freundlich, uns ein Stück im Auto mitzunehmen. Komische Situation – zwei Nonnen im Auto – irgendwie vergesse ich immer, dass das auch nur Menschen sind. Die Schwester hat dann auch einen sehr rasanten Fahrstil an den Tag gelegt und wenn sie um die Ecke gebogen kam sind die Menschen von der Straße gesprungen als wäre der Teufel hinter ihnen her und nicht zwei Nonnen in einem Auto – man scheint sie und ihre Fahrweise also schon zu kennen und zu fürchten. Am Eingang zu den Wasserfällen angekommen dann Enttäuschung und ein bisschen Wut. Der Mann war erneut in unser Matatu gestiegen und auch genau an den Wasserfällen mit und ausgestiegen. Das darf doch nicht wahr sein! Wir sind also wieder, mit einem sehr schlechten Gefühl, zurück nach Himo.
Samstag war dann schon Iselins letzter Tag (die Schule in Uganda fängt im Februar nach 2 Monaten Ferien wieder an) und wir nutzten diesen, um an den nahegelegenen Lake Chala zu fahren. Dieser befindet sich auf der Grenze zu Kenia und soll auch bilharziosefrei sein. Um dort hin zu gelangen muss man eine knappe dreiviertel Stunde durch das Nirgendwo fahren (in unserem Fall zu zweit auf einem Boda). Man sieht Ziegen, Kühe und Esel, ab und zu einmal eine kleine Hütte.. ansonsten brennt die Sonne erbarmungslos auf einen hinab und man wird einmal komplett mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Aber die abenteuerliche Fahrt lohnt sich: riesige Paviane laufen unmittelbar an einem vorbei bzw. schwingen sich von Ast zu Ast während man selbst im angenehm kühlen aber nicht kalten, blauen Wasser schwimmt.
Unser Bodafahrer hatte beschlossen, uns zu begleiten (für ihn natürlich eine super Gelegenheit – Eintritt musste er in unserer Begleitung nämlich nicht zahlen und die Fahrten gingen ja auch auf unsere Kosten) und hätte uns, am See angekommen (dafür muss man zunächst einen steilen Abstieg meistern), am liebsten nicht ins Wasser gelassen. Seid ihr euch sicher, dass ihr schwimmen könnt? Ganz sicher? Denn schwimmen zu können ist hier nicht so selbstverständlich wie bei uns. Solange man nicht an einem See wohnt oder super reich ist und sein Kind auf eine der wenigen Schulen mit Schwimmbecken schicken kann, kann man auch prinzipiell nicht schwimmen. Ist ja sehr einleuchtend aber ich vergesse solche Dinge manchmal, weil sie bei uns so selbstverständlich sind.
mit unserem Bodafahrer – wie lange er den Blick wohl vor dem Spiegel geübt hat?
Entspannt und glücklich und mit dem Sonnenbrand des Jahres ging es dann wieder zurück und für Iselin ans Packen. Sie würde Sonntag Früh den Rückweg antreten, ich würde noch bis Freitag in Tansania bleiben, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt, unbedingt den Indischen Ozean sehen zu wollen. Bevor es soweit war, habe ich aber Montag noch einmal Mara und Joel für den Tag in deren Projekt – das Krankenhaus - begleitet, was eine sehr schöne Erfahrung war, um über einige Dinge im eigenen Projekt besser nachdenken zu können.
Und Dienstag war es dann soweit. Meine erste kleine Reise allein. War aufgeregt. Nur mit einer Umhängetasche ausgestattet fuhr ich nach Tanga. Gebucht hatte ich noch nichts. Nicht das Busticket, kein Hostel. Aber das Universum meinte es gut mit mir und ich kam ohne größere Zwischenfälle (die es ja nun hier häufiger einmal gibt) und ohne unangenehme zwischenmenschliche Begegnungen, in meinem Zielort an. Das zweite Hostel, was ich gefunden hatte, wurde es dann auch schon und für 10€ die Nacht inkl. Frühstück würde ich zwei Nächte in einem grandiosen Zimmer mit eigenem Bad übernachten können. In so einem großen und gemütlichen Bett hatte ich schon ewig nicht mehr geschlafen – schon dafür hatte sich doch die Reise gelohnt. Nun scheint aber Tanga außerordentlich muslimisch geprägt und im Umkreis meines Hostels befanden sich mehrere Moscheen, so dass ich dann doch nicht so gut schlafen konnte, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Blick von meinem Balkon
Die verbleibenden Stunden, bevor es um 7 dunkel wird, nutze ich, um mir Tanga anzusehen. Es ist ein kleines Küstenstädtchen – ohne Strand, dafür mit Hafen – es gibt sehr viele mehrstöckige Häuser und die Straßen in der Stadt sind sandig. Es begegnen einem überproportional viele Frauen mit Kopftuch und man kann anscheinend kein Waschpulver kaufen. Diese Stadt sah also nun wirklich einmal anders aus als „die anderen ostafrikanischen Städte“.
Mittwoch fuhr ich dann zwei Stunden weiter südlich nach Pangani. Huch – da war ich aber in einem sehr kleinen Ort gelandet! Einen Supermarkt würde ich hier wohl nicht finden. Überraschenderweise gab es jedoch am Busbahnhof ein Touristenbüro und der nette Mann dort führte mich, durch Pangani hindurch, zu einem kleinen Ressort am Strand. Geld wollte er dafür ausnahmsweise einmal keines haben. Ein sehr sympathischer Mensch! Am Strand angekommen Enttäuschung. Wo ist denn der Ozean? Ach ja – Ebbe und Flut – hatte ich wohl verdrängt, dass es so etwas gibt. In 4 Stunden sollte das Wasser wiederkommen. Die Zeit habe ich genutzt indem ich einen sehr langen Strandspaziergang gemacht habe, Muscheln gesammelt, Mittag gegessen. Weit und breit war ich die einzige weiße Person und weit und breit auch der einzige Mensch am Strand, abgesehen von drei Krabbenfischern.
Als dann das Meer endlich seinen Weg zurück zum Festland gefunden hatte, stellte ich mich glücklich in die Brandung (die Idee des Schwimmens hatte ich in Anbetracht der Wind- und Wellenstärke begraben) und war ein bisschen stolz auf mich, jetzt schon fast zwei Tage ganz alleine unterwegs zu sein. Allein Reisen ist nun wirklich eine sehr spezielle Erfahrung – vor allem in Tansania, denn kaum jemand spricht Englisch, wirklich weit kommt man nur mit Swahili. Das bedeutete, dass sich meine Kommunikation in der Zeit auf das Kaufen von Wasser und Bustickets beschränkte – noch nicht einmal meine Rezeptionisten waren der Englischen Sprache mächtig. Das zehrte dann schon ein wenig an mir, denn mein Mitteilungsbedürfnis ist dann doch eher stark ausgeprägt. Auf der anderen Seite begegnet man Menschen noch einmal ganz anders, als man es tun würde, wenn man eine Reisebegleitung hat. Man MUSS fragen, sich Hilfe suchen und bekommt dadurch häufig und auch oft unerwartet sehr viel Freundlichkeit und Offenheit entgegengebracht. Trotzdem war ich froh, Donnerstag Nachmittag, nach 8 Stunden Fahrt, wieder bei den Freiwilligen in Himo zu sein und mich wieder in Deutsch mitteilen zu können.
So sieht es aus, wenn ein Reisebus irgendwo zum Stehen kommt – die Händler stürmen auf einen zu und man kann nahezu alles vom Fenster aus erwerben
Quasi kaum aus dem Bus ausgestiegen trat ich Freitag Morgen um 7 meine Rückreise nach Uganda an und war 26 Stunden später wieder zu Hause. Hallo Kampala! Schön, wieder da zu sein!
On the road - Impressionen
Sonntag, 22. Februar 2015
Sonntag, 15. Februar 2015
Ostafrika Teil I - “Ihr werdet euch wie zu Hause fühlen!”
Nach den weihnachtlichen Festtagen haben Iselin und ich uns unseren ersten Urlaub gegönnt. Am Samstag, 27.12.2014, klingelten um 5 unsere Wecker, damit wir um 7 am Busterminal in der Innenstadt sind. Da sollten wir dann unsere Quittungen in ein Ticket tauschen und „boarden“ - Abfahrt: 8.00. Soweit die Theorie. In der Praxis war zunächst noch das Büro geschlossen, dann fühlte sich niemand für die Tickets verantwortlich. Halb Acht saßen wir dann dennoch im Bus bereit zur Abfahrt. So saßen wir wohl 2 Stunden und reell verließ der Bus um 10.00 den Parkplatz in Kampala Down Town. Wir hatten zwei Plätze ganz vorn neben dem Fahrer „ergattert“ - wegen der tollen Aussicht, der Beinfreiheit und weil wir uns diese Sitzbank nicht mit 2 bis 5 weiteren Menschen teilen mussten. Blöde Idee, wie sich bereits nach 10 Minuten Fahrt herausstellte. Das, was der Fahrer da trieb (Essen, Trinken, Telefonieren, SMS schreiben, sich umdrehen und mit seinem Kumpel quatschen), bzw. nicht trieb (auf die Straße gucken, Bremsen, in den Kurven auf der eigenen Fahrspur bleiben) wollte ich eigentlich gar nicht wissen – davon, dass ich den Gegenverkehr sehen konnte ganz zu schweigen. Die sechs Stunden Fahrt verbrachte ich also entweder mit krampfhaft geschlossenen oder weit aufgerissenen Augen. Da gab es dann auch nach gerade einmal einer Stunde Fahrt direkt etwas zu sehen: Auffahrunfall. Ein Matatu und zwei PKWs kamen nicht so aneinander vorbei, wie sie wollten, wir hatten bei der ganzen Sache das Matatu in der Stoßstange kleben – direkt vor unserer Nase sozusagen. Iselin durfte eine Aussage machen, aber da auch noch andere Passagiere etwas sagen wollten, Menschen, die in der letzten Reihe saßen, Menschen, die vorher geschlafen hatten, dauerte die ganze Sache etwas länger. Nach nur 60 Minuten durften wir dann aber schon weiter fahren – die Fahrzeuge, die den Unfall verursacht hatten, waren schon längst weg.
Gegen 17:00 (statt 14:00) erreichten wir dann unser Zwischenziel: Kabale – West-Uganda. Ach ja – ich habe euch ja noch gar nicht verraten, wo denn die Reise hingeht. Wir wollen zum Lake Bunyonyi und danach weiter nach Ruanda. In Kabale hoben wir also Geld ab und haben etwas gegessen um dann, bevor es dunkel wird, um 18:00 zwei Bodas zu unserem Hostel zu nehmen. Nach ca. 20 Minuten Fahrt durch eine traumhafte Landschaft – Berge, Wiesen, Felder, „Urwald“ und natürlich dem See – immer schön bergauf (der Trick ist, mit dem Hintern auf dem Boda weit nach hinten zu rutschen, um sich dann mit dem Oberkörper nach vorne zu lehnen, mit der einen Hand die Handtasche mit der teuren Kamera festzuhalten und mit der anderen sich selbst am Boda hinter/unter dem Rucksack) erreichten wir glücklich Lake Bunyonyi Gorilla Packers. Ein Zimmer mit direktem Blick auf den See – und mit heißer Dusche. Warmes Wasser von oben – das gab es ja schon seit 4 Monaten nicht mehr! Duschen, in mehrere Kleidungsschichten einpacken (in dem Teil Ugandas wird es Nachts unglaublich kalt – geschätzt 15°C) und ins Bett. Die nächsten zwei-einhalb Tage verbrachten wir schwimmend (auch das erste Mal seit Ausreise), Kajak fahrend, sonnend, lesend und mit einer Inseltour, auf die uns eine amerikanische Familie mitgenommen hat, die schon seit einigen Jahren in Kampala lebt und auch in unserem Hostel gebucht hatte. Traumhaft war es da!
Inseltour - "Punishment Island", da wurden schwangere, unverheiratete Frauen ausgesetzt
Blick auf den See
Dienstag Mittag dann zurück nach Kabale, von da aus mit einem Taxi zur ruandischen Grenze, Einreise, Weiterfahrt nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Erwartungen hatten wir auf dieser Fahrt viele, hatten uns doch alle von Ruanda vorgeschwärmt: der westliche Standard, die Ordnung, die Sicherheit: „Ihr werdet euch wie zu Hause fühlen!“. Das, was wir vom Taxi aus sehen konnten entsprach dem eher nicht. Sah auch aus, wie in Uganda. Ja, die Straße war viel besser, als wir es gewohnt sind und es gab sogar Straßenschilder und Zebrastreifen – an diese Regeln wurde sich aber auch nur partiell gehalten – aber die Häuser am Straßenrand, die kleinen Grocery Stores, die Menschen... auch Ruanda ist halt Ostafrika. In Kigali selbst das gleiche Bild: organisierter und weniger überfüllt als Kampala und es gibt überall Bürgersteige und vor allem im Botschaftsviertel sehen die Straßen top aus, aber die Geschäfte sind die gleichen, die Händler.. Wie zu Hause habe ich mich nicht gefühlt. Doch tendenziell stimmt es schon – man hätte durchaus auch in einem südlichen europäischen Land sein können – aber Deutschland sieht anders aus. Die markantesten Unterschiede zwischen Kigali und Kampala? Bodafahrer müssen einen Helm für ihre Fahrgäste mitnehmen (Helmpflicht für alle) und tragen Westen mit ihrer Registrierungsnummer. Es gibt Ampeln (mit Zeitanzeige!), Verkehrsschilder, Zebrastreifen, Gehwege, Straßenlaternen.. Mit der Englischen Sprache muss man nicht unbedingt weiterkommen – Ruanda war eine französische Kolonie – aber das Bildungssystem wurde vor ein paar Jahren auf Englisch umgestellt. Man sieht auf den Straßen kaum Kinder und kaum schwangere Frauen, dafür scheint Rauchen in der Öffentlichkeit akzeptierter, als schön scheint auch eher dünn zu gelten.
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Am zweiten Abend war dann auch schon Silvester – ja, was soll ich sagen? So wenig jahreswechselmäßig habe ich mich noch nie gefühlt. Die Straßen, durch die wir gelaufen sind, waren wie leer gefegt, in den Bars war kaum etwas los, es gab kein Feuerwerk.. Mir wurde nur noch einmal sehr deutlich bewusst, dass schon mehr als 1/3 meiner Zeit hier, hinter mir liegt und dass nun, da 2015 ist, auch das Thema Studium wieder Priorität bekommen muss. Also ein sehr ruhiger Jahreswechsel für mich in Ruanda, der viel Raum zum Nachdenken gegeben hat. Gute Vorsätze? Unsere Wohnung weiter einrichten, mehr Sport machen und meinen Blog wieder regelmäßiger zu pflegen.
Wie sah sonst so unser Urlaub aus? Wir haben in Kigali das Genozid Museum und 30km außerhalb eine der Kirchen, in der immer noch Leichname auf ihr Begräbnis warten und die blutigen Kleidungsstücke der Opfer unangetastet zu sehen sind, besucht. Das war beides sehr berührend und das mulmige Gefühl, bei dem Gedanken daran, dass das alles noch gar nicht lange her ist, konnte ich auch den Rest des Tages nicht mehr abschütteln – anschließend in dem Bewusstsein durch die Straßen zu laufen, dass nahezu jeder, der mir begegnet, diese grausige Zeit selbst miterlebt hat, war eine sehr sehr seltsame Erfahrung.
Die restlichen Tage haben wir uns noch einige schöne Viertel angesehen, Künstlerhäuser besucht und sind an einen See gefahren wo wir dann zum ersten Mal ganz dicht vor einem „Crane“, dem Nationalvogel Ugandas (der, der auch auf der Flagge zu sehen ist), standen. Da muss man ins Nachbarland fahren um den eigenen Nationalvogel zu sehen..
Sonntag Abend ging es dann mit dem Nachtbus zurück nach Kampala. Dieses Mal mit einem etwas besseren Busunternehmen – verstellbare Sitze, Registrierung der Passagiere und des Gepäcks, pünktliche Abfahrt, kurze Toilettenpausen.. Von 7 Uhr Abends bis 5 Uhr am Montag Morgen waren wir also wieder unterwegs und ich war selbst von mir überrascht, wie froh ich war, wieder „zu Hause“ zu sein. Kampala, diese Stadt, die mich oft genug in den Wahnsinn treibt, habe ich dann doch sehr vermisst – den Trubel, meine Plätze und Geschäfte, meine Freunde und Kollegen und vor allem das Gefühl, sich auszukennen. Das war glaube ich mit das schönste an dieser Reise: Heimweh nach Uganda zu erleben und dadurch zu merken, dass man wirklich, wirklich angekommen ist.
Mittwoch, 21. Januar 2015
Von der Exceltabelle zum Babygeschrei
der versprochene Urlaubspost muss nun leider doch noch ein wenig warten – zunächst ein Update zum Projekt
Am 17. Dezember war es endlich so weit: ich verließ meinen Schreibtisch im Öffentlichkeitsarbeitsbüro und begann meinen ersten Tag im Public Health Departement (PHD). Diese Abteilung vereint die verschiedensten Bereiche unter sich: HIV/AIDS-Klinik, Tuberkulose-Klinik, Schwangeren-Betreuung, Immunisierung (vor allem von Kindern im Alter von 3 Wochen bis 9 Monaten), PMTCT-Clinic (Prevention of Mother to Child Transmission = Schutz des ungeborenen Kindes, von der Mutter das HI-Virus übertragen zu bekommen), Nutrition (Ernährungsstandbestimmung und Ernährungsberatung) und Community-Outreaches, School Health und Homevisits (Gesundheitsversorgung in Gegenden mit schlechtem Zugang zu Gesundheitszentren, Schulgesundheit und Hausbesuche). Das PHD ist die größte Abteilung des Lubaga Hospitals. Ein Teil der Krankenschwestern und Hebammen arbeitet allerdings nur in Teilzeit dort und den Rest ihrer Zeit auf anderen Stationen des Krankenhauses.
Meine ersten Tage verbrachte ich auf der Immunisierungsstation. Ich durfte Polio-Schluckimpfungen in Kindermünder tropfen, die Impfungen mit vorbereiten und Mutter-Kind-Pässe ausfüllen.
Die Mütter kommen gegen 8 Uhr in das Krankenhaus, müssen sich registrieren, bezahlen und hören sich dann einen kurzen Vortrag zum richtigen Umgang mit dem Kind an. Anschließend gehen sie zu der Terrasse, auf der die Kinder geimpft werden. Die Mütter legen ihre Pässe auf den Tisch an dem die Impfschwester arbeitet und setzen sich. Der Stapel wird dann von unten nach oben abgearbeitet: die Mutter wird aufgerufen, es wird geschaut, welche Impfungen das Kind bekommen soll (unter anderem Polio / Masern / Röteln / Tetanus / …) und dann wird je nach Impfung in die Oberarme oder Oberschenkel geimpft. Dabei kann man quasi runterzählen, wann das Baby zu schreien anfangen wird und es gibt natürlich unter den kleinen wartenden Patienten auch viele Solidaritätsheuler, so dass immer ein recht ausgeprägter Lärmpegel auf dieser „Station“ herrscht. Die Haut der Kinder wird dabei nicht desinfiziert sondern nur mit einem in Leitungswasser getauchten Wattebausch gereinigt – die Spritzen hingegen werden steril ausgepackt und auch ordnungsgemäß in einer Gefahrenbox entsorgt. Keine der Impfschwestern trägt Handschuhe, was ich bei der HIV Quote in Uganda nicht riskieren würde. Nach einigen Tagen wurde mir angeboten, dass ich doch auch Impfen könnte, was ich aufgrund meiner fehlenden Kenntnisse trotz Neugier dankend abgelehnt habe. Ich hoffe jedoch, dass mit bei Gelegenheit eine der Schwestern den Umgang mit einer Impfspritze zeigen kann. Zwischen 13.oo und 15.oo sind dann alle Mütter bei uns durch und ich darf Feierabend machen während die zuständige Impfschwester Inventur in der Kühltruhe macht.
Nach einer Woche wechselte ich zum Outreachprogram. Ich bin also einige Tage mit auf Hausbesuche gefahren und habe dort hospitieren können, während die Schwester die vor allem bettlägrigen Patienten untersucht und Medikamente verschrieben hat. Bei diesen Besuchen fühlte ich mich immer ein wenig wie ein Eindringling, denn oft waren mir die genauen Abläufe nicht klar (das ungeschriebene Gesetz in Uganda, vor jemandes Haustür die Schuhe auszuziehen schien für medizinisches Personal in manchen Haushalten nicht zu gelten), ich konnte nur sehr rudimentär mit den Patienten kommunizieren und schlussendlich habe ich dort noch nicht einmal etwas gemacht, sondern nur da gesessen und observiert. Die anderen Tage war ich mit bei den Community Outreaches im Großraum Kampala. Dort habe ich auch bei der Immunisierung der Babies und Kinder und bei der Medikamentenausgabe mitgeholfen. Je nach Gebiet und damit verbunden je nach Patientenzahl, verbringt man dort seine Zeit von 9.30 bis 16.30.
Die vergangenen Tage war ich nun in der HIV/AIDS-Klinik. Meine Aufgabe dort war es, die Patienten, nachdem sie sich registriert und ihre Akte bekommen haben, zu „vermessen“: Name, Alter, Wohnort, Gewicht, Temperatur, Ernährungsstand. Nachdem ich diese Werte aufgenommen habe misst eine Schwester Blutdruck und erfragt Dinge wie Beschwerden (Husten,...) oder die letzte Regelblutung (um sie ggf. zur Schwangerenberatung und in die PMTCT überweisen zu können). Es wird außerdem geschaut, ob der Patient neue Termine für Tests/Blutuntersuchungen braucht und die Schwester stellt fest, ob ein Gespräch mit dem Arzt oder eine Ernährungsberatung notwendig sind. Hier arbeite ich von 8 bis 13.oo oder 14.oo - ohne Pause aber dafür habe ich früh frei (..und kann Wäsche waschen..). Was das Krankenhaus auch anbietet sind Hausbesuche bei neu registrierten HIV/AIDS Patienten um ihnen beratend zur Seite zu stehen, wie sie die hygienischen Bedingungen in ihrem Haus verbessern können. Wenn jemand positiv auf HIV getestet wurde stehen ihm außerdem verschiedene Gesundheitsleistungen kostenfrei zu – unter anderem Krebs-screenings und Urintests von Schwangeren.
Demnächst werde ich noch einen Einblick in das Natural Family Planning Project bekommen können und auch in die Schwangerschaftsvorsorgestation.
Ich bin derweil (doch schon - die Zeit verfliegt!) auf meinem Zwischenseminar mit den Tanzania Freiwilligen und werde diese auch ab Montag für 1 bis 2 Wochen besuchen fahren.
etwas Niedliches zum Schluss: Mama mit Baby im Botanischen Garten in Entebbe beim Zwischenseminar
Am 17. Dezember war es endlich so weit: ich verließ meinen Schreibtisch im Öffentlichkeitsarbeitsbüro und begann meinen ersten Tag im Public Health Departement (PHD). Diese Abteilung vereint die verschiedensten Bereiche unter sich: HIV/AIDS-Klinik, Tuberkulose-Klinik, Schwangeren-Betreuung, Immunisierung (vor allem von Kindern im Alter von 3 Wochen bis 9 Monaten), PMTCT-Clinic (Prevention of Mother to Child Transmission = Schutz des ungeborenen Kindes, von der Mutter das HI-Virus übertragen zu bekommen), Nutrition (Ernährungsstandbestimmung und Ernährungsberatung) und Community-Outreaches, School Health und Homevisits (Gesundheitsversorgung in Gegenden mit schlechtem Zugang zu Gesundheitszentren, Schulgesundheit und Hausbesuche). Das PHD ist die größte Abteilung des Lubaga Hospitals. Ein Teil der Krankenschwestern und Hebammen arbeitet allerdings nur in Teilzeit dort und den Rest ihrer Zeit auf anderen Stationen des Krankenhauses.
Meine ersten Tage verbrachte ich auf der Immunisierungsstation. Ich durfte Polio-Schluckimpfungen in Kindermünder tropfen, die Impfungen mit vorbereiten und Mutter-Kind-Pässe ausfüllen.
Die Mütter kommen gegen 8 Uhr in das Krankenhaus, müssen sich registrieren, bezahlen und hören sich dann einen kurzen Vortrag zum richtigen Umgang mit dem Kind an. Anschließend gehen sie zu der Terrasse, auf der die Kinder geimpft werden. Die Mütter legen ihre Pässe auf den Tisch an dem die Impfschwester arbeitet und setzen sich. Der Stapel wird dann von unten nach oben abgearbeitet: die Mutter wird aufgerufen, es wird geschaut, welche Impfungen das Kind bekommen soll (unter anderem Polio / Masern / Röteln / Tetanus / …) und dann wird je nach Impfung in die Oberarme oder Oberschenkel geimpft. Dabei kann man quasi runterzählen, wann das Baby zu schreien anfangen wird und es gibt natürlich unter den kleinen wartenden Patienten auch viele Solidaritätsheuler, so dass immer ein recht ausgeprägter Lärmpegel auf dieser „Station“ herrscht. Die Haut der Kinder wird dabei nicht desinfiziert sondern nur mit einem in Leitungswasser getauchten Wattebausch gereinigt – die Spritzen hingegen werden steril ausgepackt und auch ordnungsgemäß in einer Gefahrenbox entsorgt. Keine der Impfschwestern trägt Handschuhe, was ich bei der HIV Quote in Uganda nicht riskieren würde. Nach einigen Tagen wurde mir angeboten, dass ich doch auch Impfen könnte, was ich aufgrund meiner fehlenden Kenntnisse trotz Neugier dankend abgelehnt habe. Ich hoffe jedoch, dass mit bei Gelegenheit eine der Schwestern den Umgang mit einer Impfspritze zeigen kann. Zwischen 13.oo und 15.oo sind dann alle Mütter bei uns durch und ich darf Feierabend machen während die zuständige Impfschwester Inventur in der Kühltruhe macht.
Nach einer Woche wechselte ich zum Outreachprogram. Ich bin also einige Tage mit auf Hausbesuche gefahren und habe dort hospitieren können, während die Schwester die vor allem bettlägrigen Patienten untersucht und Medikamente verschrieben hat. Bei diesen Besuchen fühlte ich mich immer ein wenig wie ein Eindringling, denn oft waren mir die genauen Abläufe nicht klar (das ungeschriebene Gesetz in Uganda, vor jemandes Haustür die Schuhe auszuziehen schien für medizinisches Personal in manchen Haushalten nicht zu gelten), ich konnte nur sehr rudimentär mit den Patienten kommunizieren und schlussendlich habe ich dort noch nicht einmal etwas gemacht, sondern nur da gesessen und observiert. Die anderen Tage war ich mit bei den Community Outreaches im Großraum Kampala. Dort habe ich auch bei der Immunisierung der Babies und Kinder und bei der Medikamentenausgabe mitgeholfen. Je nach Gebiet und damit verbunden je nach Patientenzahl, verbringt man dort seine Zeit von 9.30 bis 16.30.
Die vergangenen Tage war ich nun in der HIV/AIDS-Klinik. Meine Aufgabe dort war es, die Patienten, nachdem sie sich registriert und ihre Akte bekommen haben, zu „vermessen“: Name, Alter, Wohnort, Gewicht, Temperatur, Ernährungsstand. Nachdem ich diese Werte aufgenommen habe misst eine Schwester Blutdruck und erfragt Dinge wie Beschwerden (Husten,...) oder die letzte Regelblutung (um sie ggf. zur Schwangerenberatung und in die PMTCT überweisen zu können). Es wird außerdem geschaut, ob der Patient neue Termine für Tests/Blutuntersuchungen braucht und die Schwester stellt fest, ob ein Gespräch mit dem Arzt oder eine Ernährungsberatung notwendig sind. Hier arbeite ich von 8 bis 13.oo oder 14.oo - ohne Pause aber dafür habe ich früh frei (..und kann Wäsche waschen..). Was das Krankenhaus auch anbietet sind Hausbesuche bei neu registrierten HIV/AIDS Patienten um ihnen beratend zur Seite zu stehen, wie sie die hygienischen Bedingungen in ihrem Haus verbessern können. Wenn jemand positiv auf HIV getestet wurde stehen ihm außerdem verschiedene Gesundheitsleistungen kostenfrei zu – unter anderem Krebs-screenings und Urintests von Schwangeren.
Demnächst werde ich noch einen Einblick in das Natural Family Planning Project bekommen können und auch in die Schwangerschaftsvorsorgestation.
Ich bin derweil (doch schon - die Zeit verfliegt!) auf meinem Zwischenseminar mit den Tanzania Freiwilligen und werde diese auch ab Montag für 1 bis 2 Wochen besuchen fahren.
etwas Niedliches zum Schluss: Mama mit Baby im Botanischen Garten in Entebbe beim Zwischenseminar
Samstag, 10. Januar 2015
Grashüpfer statt Lebkuchen II
Iselin und ich waren unterdessen, parallel zum Vorweihnachtstrubel, weiterhin auf Wohnungssuche. Weiterhin, weil wir bereits Mitte November den Versuch unternommen hatten, uns für Dezember etwas zu suchen – da wurde uns jedoch gesagt, wir sollen es doch 3 bis 5 Tage vor unserem gewünschten Einzugsdatum noch einmal versuchen – zwei Wochen würde uns niemand eine Wohnung reservieren. Also gut: dann suchen wir halt nochmal später, ganz spontan (diese Vorgehensweise widersprach nun wirklich vollkommen meinem gewohnten Planungssinn). Wenn man hier eine Wohnung sucht funktioniert das grundsätzlich auf zwei Wegen: 1. über Verbindungen, 2. über einen Broker (=Makler). Ich streute also unter meinen Kollegen die Information, dass ich auf Wohnungssuche war, wir riefen bestimmt 10 Broker an und trafen uns mit dreien, wir besichtigten eine Wohnung von einem ugandischen Freund und entschieden uns dann auch für diese. Die Wohnung wäre allerdings erst am 5.12. frei – ist ja nicht schlimm, eine Woche können wir ja auch noch in der Gastfamilie bleiben. Wir sagten also unseren Brokern ab und freuten uns auf unsere erste gemeinsame Wohnung. Am 1.12. also vier Tage vor dem geplanten Umzug bekam ich dann einen Anruf von unserem Freund/Vermieter, dass das mit der Wohnung wohl so doch nichts werden würde. Sein Bruder bräuchte diese noch einmal ein paar Wochen und die vereinbarten Renovierungsarbeiten waren ihm nach nochmaliger Überlegung doch zu aufwendig und zu teuer.. Da standen wir nun also da, hatten unseren Gastfamilien gesagt, dass wir ausziehen würden und hatten nun doch keine Bleibe. Nach vielen, vielen weiteren Wohnungsbesichtigungen riefen wir dann einen Broker vom Anfang erneut an: die Wohnung, die er uns da gezeigt hatte und die wirklich wunderschön, wenn auch eigentlich ein wenig zu teuer war, war noch frei! Wir sind also direkt am nächsten Tag, am 18.12. dort hin gefahren, haben 3 Monatsmieten bezahlt (1,5 Millionen UGX) und uns wurde versprochen, die Wohnung innerhalb von zwei Tagen bezugsfertig zu machen (Streichen, Putzen, Steckdosen nachjustieren..). Das heißt: Umzugstermin Samstag der 20.12.2014. Ich rief einen Special Hire Driver (privater Taxifahrer) an und bestellte für 12:00 einen großen Kombi, 6Sitzer - „wir sind zwei Personen mit sehr viel Gepäck und einem Regal!“. An besagtem Tag packte ich also meine sieben Sachen und „pünktlich“ 12:45 fuhr ein sehr sehr kleines Auto vor meiner Einfahrt vor. Wider aller Hoffnung war das wirklich das bestellte große (Umzugs)Auto. Es folgten Diskussionen, erneute Verhandlungen und die Abfahrt des angeheuerten Fahrers, der probieren wollte, etwas Größeres aufzutreiben. Überrascht war ich nicht – ich hatte jedoch eher erwartet, dass er einfach gar nicht oder an einem anderen Tag auftauchen würde.. Das Glück war aber dann doch mit uns: ein Cousin fuhr zufällig vorbei und diesem gehört ein Allrad-Safari-Fahrzeug. Kurzerhand wurde also ihm der Auftrag übergeben, mein Regal wurde aufs Dach geschnallt, Iselin mit ihrem Gepäck auf dem Weg aus Nansana eingesammelt und im vierten Matratzenladen (so etwas dauert hier: Verhandeln, Weggehen, zurückgerufen werden, Verhandeln, endgültig Weggehen und den nächsten Händler aufsuchen..) kauften wir uns unsere „Betten“, die auch hinten ans Auto gebunden wurden. Die Trockenzeit war auch an diesem Tag wieder beispielhaft trocken und heiß – so macht Umziehen, vor allem da nicht ins Erdgeschoss, Spaß..
Aber dann war es endlich so weit: wir hatten UNSERE Wohnung. Wir können selbst bestimmen, wann und was wir essen möchten, wir können zeitig ins Bett gehen aber auch spät nach Hause kommen, ohne jemanden zu stören..
Erstes Frühstück auf unserem Balkon
Der 4. Advent konnte nun also endlich in den eigenen vier Wänden begangen werden: Weihnachtsmusik, Kerzen, Mini-Adventskranz, Zimttee und Lebkuchen – so langsam wurde es dann auch mir bewusst: in drei Tagen ist Heiligabend! Und ich freute mich wirklich darauf, das hätte ich nicht mehr erwartet, aber mit dem Wissen, den 24. fast wie zu Hause verbringen zu können, ging es dann doch.
Als es um 7 dunkel geworden war, setzten wir uns mit unserem Weihnachtstee neben unseren Baum und es wurde gelichtelt und beschert. Das war wirklich schön – fast wie zu Hause, welches dank skype auch anschließend noch für eine halbe Stunde nach Uganda geholt wurde.
Am 25.12. fuhren wir also bei Zeiten nach Nansana, um bei den Weihnachtsvorbereitungen in meiner Gastfamilie zu helfen. Es wurden wieder Berge an Essen gekocht für das unter anderem 3 Hühner und eine Ziege geschlachtet wurden. Die Ziege wurde dann direkt neben mir und meinem Berg Gemüse, das es zu schnippeln galt, mit einer Machete zerlegt. Die Angst um mein Kleid schien mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn alle meine Gastbrüder lachten mich aus.
Statt um 2 wurde um 5 gegessen und da die Anfangszeit nicht eingehalten wurde schien man wohl zu der Entscheidung gekommen zu sein, das ganze Programm über den Haufen zu werfen. Die festlichen Reden verschiedenster Familienmitglieder wurden also übergangen und man ging sofort dazu über, diverse Kuchen anzuschneiden (eine meiner Gastschwestern hatte Geburtstag und es gab noch einen Weihnachtskuchen und Kuchen, deren Bedeutung mir nicht ins Englische übersetzt wurde). Das Anschneiden von Kuchen wird im Übrigen sehr häufig, zu so ziemlich jedem Anlass, zelebriert. Man schickt Dankeskuchen, Kuchen nach einer Hochzeit, zur Geburt eines Kindes, zum Geburtstag.. Diese Kuchen sehen zu 90% folgendermaßen aus: Rührkuchen in hell oder dunkel, quadratisch, rund oder herzförmig und immer fingerdick mit Zuckerguss überzogen auf welchen in bunter Zuckerschrift die Bedeutung des Kuchens geschrieben steht.
links das Geburtstagskind
rechts die hochrangigen Familienmitglieder
Der nächste Programmpunkt – die Geschenkepräsentation – wurde dann wieder planmäßig abgehalten. Die hochrangigen Familienmitglieder (mein Gastvater, die Gastmutter, eine Schwester des Vaters und eine mir unbekannte Frau) durften auf Stühlen auf der Veranda sitzen und wir, publikumsartig, auf Stühlen zu ihren Füßen. Einzelne Namen wurden verlesen (neben den vier erwähnten noch drei andere) und diese Personen wurden dann beschenkt: man tanzt mit seinem Geschenk zu der jeweiligen Person, umarmt sich und legt das Geschenk auf einen Tisch. Wenn die Runde für die Person vorbei ist, packt er seine Geschenke zusammen und macht Platz für den Nächsten. Geschenke werden in Uganda grundsätzlich nicht sofort ausgepackt, sondern erst wenn man allein ist, so konnte ich leider nicht sehen, wie gut meine Weihnachtsgeschenke bei meiner Gastfamilie ankamen. Danach war der „offizielle“ Teil des Weihnachtsfestes beendet und es wurde getrunken, getanzt und sich unterhalten bis dann gegen halb 12 die ersten Gäste den Heimweg antraten nachdem ihnen die angemieteten Plastikstühle quasi unter dem Hintern weggeräumt wurden waren. Iselin und ich fuhren zurück nach Hause und machten uns dann aber von da aus noch einmal auf den Weg, denn wir hatten erfahren, dass man an Weihnachten, nachdem man mit seiner Familie gefeiert, getrunken und gegessen hat noch weggeht. Die Bars und Clubs waren auch wirklich gut besucht und in der einen oder anderen Ecke der Tanzfläche konnte man Weihnachtsmützen entdecken...
Nachdem wir uns am 26. von der ganzen Weihnachtsfeierei erholt hatten, machten wir uns am 27. früh um 6 auf den Weg in den Urlaub – doch dazu mehr im nächsten Eintrag!
Bis dahin wünsche ich euch allen (wenn auch ein wenig spät) einen guten Start ins Jahr 2015 und danke euch von Herzen für die Unterstützung jeglicher Art, ob durch euer „Zuhören“ hier auf meinem Blog, durch Briefe und E-Mails oder durch Care-Pakte. DANKE!
Aber dann war es endlich so weit: wir hatten UNSERE Wohnung. Wir können selbst bestimmen, wann und was wir essen möchten, wir können zeitig ins Bett gehen aber auch spät nach Hause kommen, ohne jemanden zu stören..
Erstes Frühstück auf unserem Balkon
Der 4. Advent konnte nun also endlich in den eigenen vier Wänden begangen werden: Weihnachtsmusik, Kerzen, Mini-Adventskranz, Zimttee und Lebkuchen – so langsam wurde es dann auch mir bewusst: in drei Tagen ist Heiligabend! Und ich freute mich wirklich darauf, das hätte ich nicht mehr erwartet, aber mit dem Wissen, den 24. fast wie zu Hause verbringen zu können, ging es dann doch.
Als es um 7 dunkel geworden war, setzten wir uns mit unserem Weihnachtstee neben unseren Baum und es wurde gelichtelt und beschert. Das war wirklich schön – fast wie zu Hause, welches dank skype auch anschließend noch für eine halbe Stunde nach Uganda geholt wurde.
Am 25.12. fuhren wir also bei Zeiten nach Nansana, um bei den Weihnachtsvorbereitungen in meiner Gastfamilie zu helfen. Es wurden wieder Berge an Essen gekocht für das unter anderem 3 Hühner und eine Ziege geschlachtet wurden. Die Ziege wurde dann direkt neben mir und meinem Berg Gemüse, das es zu schnippeln galt, mit einer Machete zerlegt. Die Angst um mein Kleid schien mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn alle meine Gastbrüder lachten mich aus.
Statt um 2 wurde um 5 gegessen und da die Anfangszeit nicht eingehalten wurde schien man wohl zu der Entscheidung gekommen zu sein, das ganze Programm über den Haufen zu werfen. Die festlichen Reden verschiedenster Familienmitglieder wurden also übergangen und man ging sofort dazu über, diverse Kuchen anzuschneiden (eine meiner Gastschwestern hatte Geburtstag und es gab noch einen Weihnachtskuchen und Kuchen, deren Bedeutung mir nicht ins Englische übersetzt wurde). Das Anschneiden von Kuchen wird im Übrigen sehr häufig, zu so ziemlich jedem Anlass, zelebriert. Man schickt Dankeskuchen, Kuchen nach einer Hochzeit, zur Geburt eines Kindes, zum Geburtstag.. Diese Kuchen sehen zu 90% folgendermaßen aus: Rührkuchen in hell oder dunkel, quadratisch, rund oder herzförmig und immer fingerdick mit Zuckerguss überzogen auf welchen in bunter Zuckerschrift die Bedeutung des Kuchens geschrieben steht.
links das Geburtstagskind
rechts die hochrangigen Familienmitglieder
Der nächste Programmpunkt – die Geschenkepräsentation – wurde dann wieder planmäßig abgehalten. Die hochrangigen Familienmitglieder (mein Gastvater, die Gastmutter, eine Schwester des Vaters und eine mir unbekannte Frau) durften auf Stühlen auf der Veranda sitzen und wir, publikumsartig, auf Stühlen zu ihren Füßen. Einzelne Namen wurden verlesen (neben den vier erwähnten noch drei andere) und diese Personen wurden dann beschenkt: man tanzt mit seinem Geschenk zu der jeweiligen Person, umarmt sich und legt das Geschenk auf einen Tisch. Wenn die Runde für die Person vorbei ist, packt er seine Geschenke zusammen und macht Platz für den Nächsten. Geschenke werden in Uganda grundsätzlich nicht sofort ausgepackt, sondern erst wenn man allein ist, so konnte ich leider nicht sehen, wie gut meine Weihnachtsgeschenke bei meiner Gastfamilie ankamen. Danach war der „offizielle“ Teil des Weihnachtsfestes beendet und es wurde getrunken, getanzt und sich unterhalten bis dann gegen halb 12 die ersten Gäste den Heimweg antraten nachdem ihnen die angemieteten Plastikstühle quasi unter dem Hintern weggeräumt wurden waren. Iselin und ich fuhren zurück nach Hause und machten uns dann aber von da aus noch einmal auf den Weg, denn wir hatten erfahren, dass man an Weihnachten, nachdem man mit seiner Familie gefeiert, getrunken und gegessen hat noch weggeht. Die Bars und Clubs waren auch wirklich gut besucht und in der einen oder anderen Ecke der Tanzfläche konnte man Weihnachtsmützen entdecken...
Nachdem wir uns am 26. von der ganzen Weihnachtsfeierei erholt hatten, machten wir uns am 27. früh um 6 auf den Weg in den Urlaub – doch dazu mehr im nächsten Eintrag!
Bis dahin wünsche ich euch allen (wenn auch ein wenig spät) einen guten Start ins Jahr 2015 und danke euch von Herzen für die Unterstützung jeglicher Art, ob durch euer „Zuhören“ hier auf meinem Blog, durch Briefe und E-Mails oder durch Care-Pakte. DANKE!
Dienstag, 6. Januar 2015
Grashüpfer statt Lebkuchen
Guten Abend ihr Lieben,
zunächst: es tut mir sehr, sehr leid, dass es hier so still geworden ist in den letzten (ach herrje inzwischen bereits) Monaten – aber ich werde deshalb nicht schlecht schlafen. (Anm. d. Kängurus)
Wieso weshalb warum? Nun, erst war es mein Internetstick, der wochenlang nicht so wollte wie ich und als dieses Problem behoben war hat sich dann direkt mein Laptop höchstselbst verabschiedet. Der ugandische Staub und die Transportbedingungen der ersten Wochen sind ihm schlussendlich wohl doch zu viel geworden und nun habe ich erst einmal keine funktionierende Tastatur mehr. An dieser Stelle: DANKE Iselin, dass ich deinen Laptop nutzen darf.
Nun zum eigentlichen Eintrag:
Ende November und somit der erste Advent rückten immer näher und ich hoffte vergeblich auf die besinnliche Vorweihnachtsstimmung, waren es doch meist um die 30°C mit Tendenz nach Oben, denn die Trockenzeit beginnt ungefähr zum Dezember. Neben den für mich völlig verkehrten klimatischen Bedingungen fehlten der schöne Stress der Geschenkebesorgung, das Lichteln ab 16.00, der Geruch von Zimt, Glühwein und frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen und vor allem, dass man zu dieser Zeit des Jahres eigentlich mit seiner Familie zusammenkommt – Adventskaffee bei Oma, Backen mit der kleinen Schwester, Dekorieren mit Mama..
Ein bisschen weihnachtlich wurde es dann doch bei mir, denn es waren Päckchen aus Deutschland angekommen, die unter anderem Weihnachtsgebäck und -tee und einen Adventskalender enthielten. Türchen für Türchen wurde es also bei mir heißer und trockener, aber Weihnachten wurde auch immer präsenter. Ganz nach amerikanischem Vorbild wurden Geschäfte, Einkaufszentren, Büros und Banken in ein blinkendes, buntes Lichterspektakel getaucht. An jeder Ecke gab es nun Plastikweihnachtsbäume, glitzernde Deko, und die „besten Geschenkideen für das Fest“ zu erwerben. (Beliebte Geschenke sind, habe ich mir sagen lassen: Reiskocher, Thermoskannen, Schmuck und Süßigkeiten) Einige der Kollegen in unseren Projekten fingen bereits Mitte November an, sich auf Weihnachten vorzubereiten – viele haben ihre Rasen gemäht, die Bäume im Vorgarten verschnitten und die Wände noch einmal neu gestrichen (Was hier meist so aussieht, als hätte ein Kind mit dem Farbeimer gespielt – es wird dort partiell gestrichen, wo es offensichtlich notwendig ist und eine Marmorierung der Wände ist das Ergebnis..). Auch meine Gastfamilie traf sich inzwischen fast täglich in der Küche zu Krisensitzungen an denen auch Familienmitglieder teilnahmen, die nicht hier wohnen. Das Thema der Treffen: Weihnachten. (wird in Uganda am 25.12. gefeiert) Dieser spezielle Tag sollte in unserem Haus zelebriert werden: Mr. James und Familie laden ein! Die Einladungslisten, auf die ich einen Blick werfen konnte umfassten 5 A4 Seiten, dicht beschrieben. Es wurde ein Programm erstellt mit Uhrzeit und verantwortlicher Person, es wurden Komitees gebildet und Einladungskarten und -SMS verschickt. Einen solchen organisatorischen Aufwand fürs Weihnachtsfest habe ich bisher in noch keiner deutschen Familie erlebt.. Als dann der erste Advent heran gekommen war, verbrachte ich diesen in der Gastfamilie und teilte mit allen meine Lebkuchen, die auf großen Anklang stießen. Den darauffolgenden Sonntag fuhren Iselin und ich an den Victoriasee (wenn schon eine seltsame Adventszeit, dann wenigstens komplett „verkehrt“) und gruben unsere Füße in den Sand und hielten unsere Nasen in die äquatoriale Sonne. Man kommt sich dort wirklich vor, wie am Meer – wunder, wunder schön!
Die Trockenzeit bringt nun nicht nur die offensichtlichen Dinge wie Trockenheit, Hitze, sehr viel Staub und Dreck, eine hohe Geruchsintensität und leere Wassertanks mit sich, sondern auch Grashüpfer und Mangos. Letzteres wurde von uns Freiwilligen mit großem Hallo begrüßt: frische Mangos für ca. 10 bis 20 Cent! Die Grashüpfer hingegen lösen bei der örtlichen Bevölkerung einen regelrechten Hype aus. Man kann diese tassenweise, fast überall, kaufen: an jeder Straßenecke, durchs offene Matatufenster oder bei der Nachbarin. (Ensenene = Grashüpfer) Mit „Ensenene, Ensenene“-Rufen werden einem Plastiktütchen mit den Tierchen unter die Nase gehalten. Erwerben kann man diese in verschiedenen „Verarbeitungsstadien“: lebend, tot ohne Gliedmaßen oder bereits frittiert und gewürzt. Mit jedem Schritt werden die Grashüpfer teurer. Bekommt man die naturbelassene Variante noch für 15cent pro Tasse, so bezahlt man für die gerupften Tiere schon 50cent und für die verzehrfertige Variante 1€ und mehr. Angelockt durch riesige Scheinwerfer springen/fliegen die Insekten in Trichter aus Wellblech aus denen sie dann nicht mehr von allein heraus kommen. Meine Grashüpfererfahrung kam ziemlich unvorbereitet am 3. Advent. Ich hatte mich gerade, noch völlig verschlafen, aus meinem Zimmer in Richtung Latrinen getraut, festgestellt, dass ein verregneter grauer Gewitterhimmel über mir hing und wollte mich eben wieder mit Buch und Tee ins Bett bewegen als ich über eine Schüssel lebendiger Grashüpfer in unserer Küche stolperte.
Rose, meine Gastschwester, fragte mich ob ich Angst vor den Tierchen hätte und nachdem ich das unsicher verneint hatte bat sie mich um Hilfe bei der Zubereitung. Da kann ich ja schlecht nein sagen, außerdem roch das nach einer der Erfahrungen, die ich mir erhofft hatte zu machen. „Rose, wie tötet ihr die Grashüpfer denn?“ Als Antwort bekam ich nur einen verständnislosen Blick, sie tauchte ihr Fingerspitzen in Asche, schnappte sich ein kleines grünes Tier und begann ihm systematisch Beine, Flügel und Fühler auszurupfen. Der immer noch lebende und sich windende Rumpf des Tieres wurde in eine zweite Schüssel geworfen. Aha – die Tiere werden also nicht getötet, zumindest nicht „kurz und schmerzlos“. Na gut: dann mal ran! Für die nächsten drei Stunden rupfte ich also Grashüpfer, was zu Anfang gar nicht so einfach war, wie es aussah, denn die Grashüpfer winden sich, beißen und der Körper ist ganz weich, so dass man sehr genau schauen muss, wo man sie anfasst damit man sie nicht zerquetscht, wenn man ihnen Beine und Flügel ausreißt.
Nach dem Rupfen werden sie nochmal gewaschen und dann zusammen mit Zwiebel, Paprika, Tomate und Gewürzen in Öl angebraten. Fertig schmecken sie ein bisschen wie Chips, ein bisschen nach Schrimps (auch die Konsistenz ist ähnlich der Meerestiere) und ein bisschen nach.. Grashüpfer?
der restliche Eintrag folgt innerhalb der nächsten beiden Tage also schaut dann bitte nochmal rein
zunächst: es tut mir sehr, sehr leid, dass es hier so still geworden ist in den letzten (ach herrje inzwischen bereits) Monaten – aber ich werde deshalb nicht schlecht schlafen. (Anm. d. Kängurus)
Wieso weshalb warum? Nun, erst war es mein Internetstick, der wochenlang nicht so wollte wie ich und als dieses Problem behoben war hat sich dann direkt mein Laptop höchstselbst verabschiedet. Der ugandische Staub und die Transportbedingungen der ersten Wochen sind ihm schlussendlich wohl doch zu viel geworden und nun habe ich erst einmal keine funktionierende Tastatur mehr. An dieser Stelle: DANKE Iselin, dass ich deinen Laptop nutzen darf.
Nun zum eigentlichen Eintrag:
Ende November und somit der erste Advent rückten immer näher und ich hoffte vergeblich auf die besinnliche Vorweihnachtsstimmung, waren es doch meist um die 30°C mit Tendenz nach Oben, denn die Trockenzeit beginnt ungefähr zum Dezember. Neben den für mich völlig verkehrten klimatischen Bedingungen fehlten der schöne Stress der Geschenkebesorgung, das Lichteln ab 16.00, der Geruch von Zimt, Glühwein und frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen und vor allem, dass man zu dieser Zeit des Jahres eigentlich mit seiner Familie zusammenkommt – Adventskaffee bei Oma, Backen mit der kleinen Schwester, Dekorieren mit Mama..
Ein bisschen weihnachtlich wurde es dann doch bei mir, denn es waren Päckchen aus Deutschland angekommen, die unter anderem Weihnachtsgebäck und -tee und einen Adventskalender enthielten. Türchen für Türchen wurde es also bei mir heißer und trockener, aber Weihnachten wurde auch immer präsenter. Ganz nach amerikanischem Vorbild wurden Geschäfte, Einkaufszentren, Büros und Banken in ein blinkendes, buntes Lichterspektakel getaucht. An jeder Ecke gab es nun Plastikweihnachtsbäume, glitzernde Deko, und die „besten Geschenkideen für das Fest“ zu erwerben. (Beliebte Geschenke sind, habe ich mir sagen lassen: Reiskocher, Thermoskannen, Schmuck und Süßigkeiten) Einige der Kollegen in unseren Projekten fingen bereits Mitte November an, sich auf Weihnachten vorzubereiten – viele haben ihre Rasen gemäht, die Bäume im Vorgarten verschnitten und die Wände noch einmal neu gestrichen (Was hier meist so aussieht, als hätte ein Kind mit dem Farbeimer gespielt – es wird dort partiell gestrichen, wo es offensichtlich notwendig ist und eine Marmorierung der Wände ist das Ergebnis..). Auch meine Gastfamilie traf sich inzwischen fast täglich in der Küche zu Krisensitzungen an denen auch Familienmitglieder teilnahmen, die nicht hier wohnen. Das Thema der Treffen: Weihnachten. (wird in Uganda am 25.12. gefeiert) Dieser spezielle Tag sollte in unserem Haus zelebriert werden: Mr. James und Familie laden ein! Die Einladungslisten, auf die ich einen Blick werfen konnte umfassten 5 A4 Seiten, dicht beschrieben. Es wurde ein Programm erstellt mit Uhrzeit und verantwortlicher Person, es wurden Komitees gebildet und Einladungskarten und -SMS verschickt. Einen solchen organisatorischen Aufwand fürs Weihnachtsfest habe ich bisher in noch keiner deutschen Familie erlebt.. Als dann der erste Advent heran gekommen war, verbrachte ich diesen in der Gastfamilie und teilte mit allen meine Lebkuchen, die auf großen Anklang stießen. Den darauffolgenden Sonntag fuhren Iselin und ich an den Victoriasee (wenn schon eine seltsame Adventszeit, dann wenigstens komplett „verkehrt“) und gruben unsere Füße in den Sand und hielten unsere Nasen in die äquatoriale Sonne. Man kommt sich dort wirklich vor, wie am Meer – wunder, wunder schön!
Die Trockenzeit bringt nun nicht nur die offensichtlichen Dinge wie Trockenheit, Hitze, sehr viel Staub und Dreck, eine hohe Geruchsintensität und leere Wassertanks mit sich, sondern auch Grashüpfer und Mangos. Letzteres wurde von uns Freiwilligen mit großem Hallo begrüßt: frische Mangos für ca. 10 bis 20 Cent! Die Grashüpfer hingegen lösen bei der örtlichen Bevölkerung einen regelrechten Hype aus. Man kann diese tassenweise, fast überall, kaufen: an jeder Straßenecke, durchs offene Matatufenster oder bei der Nachbarin. (Ensenene = Grashüpfer) Mit „Ensenene, Ensenene“-Rufen werden einem Plastiktütchen mit den Tierchen unter die Nase gehalten. Erwerben kann man diese in verschiedenen „Verarbeitungsstadien“: lebend, tot ohne Gliedmaßen oder bereits frittiert und gewürzt. Mit jedem Schritt werden die Grashüpfer teurer. Bekommt man die naturbelassene Variante noch für 15cent pro Tasse, so bezahlt man für die gerupften Tiere schon 50cent und für die verzehrfertige Variante 1€ und mehr. Angelockt durch riesige Scheinwerfer springen/fliegen die Insekten in Trichter aus Wellblech aus denen sie dann nicht mehr von allein heraus kommen. Meine Grashüpfererfahrung kam ziemlich unvorbereitet am 3. Advent. Ich hatte mich gerade, noch völlig verschlafen, aus meinem Zimmer in Richtung Latrinen getraut, festgestellt, dass ein verregneter grauer Gewitterhimmel über mir hing und wollte mich eben wieder mit Buch und Tee ins Bett bewegen als ich über eine Schüssel lebendiger Grashüpfer in unserer Küche stolperte.
Rose, meine Gastschwester, fragte mich ob ich Angst vor den Tierchen hätte und nachdem ich das unsicher verneint hatte bat sie mich um Hilfe bei der Zubereitung. Da kann ich ja schlecht nein sagen, außerdem roch das nach einer der Erfahrungen, die ich mir erhofft hatte zu machen. „Rose, wie tötet ihr die Grashüpfer denn?“ Als Antwort bekam ich nur einen verständnislosen Blick, sie tauchte ihr Fingerspitzen in Asche, schnappte sich ein kleines grünes Tier und begann ihm systematisch Beine, Flügel und Fühler auszurupfen. Der immer noch lebende und sich windende Rumpf des Tieres wurde in eine zweite Schüssel geworfen. Aha – die Tiere werden also nicht getötet, zumindest nicht „kurz und schmerzlos“. Na gut: dann mal ran! Für die nächsten drei Stunden rupfte ich also Grashüpfer, was zu Anfang gar nicht so einfach war, wie es aussah, denn die Grashüpfer winden sich, beißen und der Körper ist ganz weich, so dass man sehr genau schauen muss, wo man sie anfasst damit man sie nicht zerquetscht, wenn man ihnen Beine und Flügel ausreißt.
Nach dem Rupfen werden sie nochmal gewaschen und dann zusammen mit Zwiebel, Paprika, Tomate und Gewürzen in Öl angebraten. Fertig schmecken sie ein bisschen wie Chips, ein bisschen nach Schrimps (auch die Konsistenz ist ähnlich der Meerestiere) und ein bisschen nach.. Grashüpfer?
der restliche Eintrag folgt innerhalb der nächsten beiden Tage also schaut dann bitte nochmal rein
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